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Lebender Boden auf der Internationalen Raumstation

Erstmals soll lebender Boden zur ISS gebracht werden; ein Berliner Boden ist mit dabei

Last update (5.10.2020):

Die Cygnus NG-14 Mission ist erfolgreich gestartet um ca. 3:15 Ortszeit Berlin am 3.10.2020 (NASA Wallops Flight Facility, Virginia, USA). Einfangen von Cygnus an der ISS ist kurz nach 11:30 Berliner Zeit am Montag, 5.10.2020 erfolgreich verlaufen. Kurz nach 14:00 ist Cygnus nun fest installiert am Unity Modul der ISS; und die Proben können dann im Laufe des Tages entladen werden, und das Experiment kann dann beginnen!

Im Rahmen einer Anfang Oktober startenden Mission (‘Soil Health in Space’), koordiniert vom Norfolk Institute in den USA, und unter Beteiligung weiterer US-Institutionen, wird erstmals lebender Boden auf die Internationalen Raumstation (ISS) gebracht. Neben Boden aus New York ist auch ein Boden aus der Nähe von Berlin mit dabei. Der Boden stammt von der Forschungsstation Linde, die von der Zwillenberg-Tietz Stiftung betrieben wird; die Stiftung hat auch den Berliner Teil der Mission von Professor Matthias Rillig am Institut für Biologie der Freien Universität finanziell unterstützt.

Die Auswirkung der Schwerelosigkeit (‘microgravity’) auf die Böden und deren Organismen soll in einer Reihe von Experimenten untersucht werden. Im FU-Labor von Matthias Rillig werden nach Abschluss der Mission auf der Internationalen Raumstation die Böden nach deren Rückkehr detailliert untersucht, wobei der Schwerpunkt auf der Bestimmung der Biodiversität der Pilze und Bakterien liegt. “Wir erhoffen uns von diesen Experimenten neue Einsichten in die Rolle der Schwerkraft auf Bodenorganismen, zum Beispiel Pilze und Bakterien”, so Rillig. “Experimente wie diese sind auf der Erde so nicht möglich, und deshalb sind wir froh, dass wir die Gelegenheit haben dieses Experiment in Zusammenarbeit mit unseren Partnern in den USA auf der ISS durchzuführen”.

Das Forscherteam betritt dabei Neuland, denn ein lebender Boden wurde bisher noch nicht der Schwerelosigkeit ausgesetzt und dann wieder auf der Erde untersucht. Tatsächlich ist diese Fragestellung so neu, dass noch nicht mal klare Erwartungen an die Ergebnisse vorliegen. Dennoch erwartet Rillig, dass Pilze eventuell mehr unter diesen Bedingungen leiden als Bakterien, da Pilze, mit dem Geflecht aus dünnen Fäden aus denen sie bestehen (den Hyphen), mit einer größeren Beweglichkeit von Bodenpartikeln bei Schwerelosigkeit weniger gut zurecht kommen dürften als Bakterien. “Aber wir sind auf jeden Fall total gespannt was passieren wird”, so Rillig. Auch Bodenprozesse, zum Beispiel die Bildung von Bodenaggregaten, den Krümeln aus denen Boden besteht, sollen untersucht werden. Mit dem Boden selbst werden die Astronauten an Bord der ISS nicht in Berührung kommen, denn die insgesamt 36 kleinen Bodenproben sind in kleinen Plastikröhrchen sicher verpackt und diese wiederum in anderen Behältern verstaut.

Kontakt:

Prof. Dr. Matthias Rillig, Institut für Biologie

matthias.rillig@fu-berlin.de

Links:

NASA Mission Soil Health in SpaceBeschreibung (auf Englisch)

Forschungsstation Linde der Zwillenberg-Tietz Stiftung (auf Deutsch)

Artikel in der Cornell Chronicle (auf Englisch)

Pressemitteilung ISS National Laboratory (erwähnt auch unser Experiment) (auf Englisch)

Rhodium Scientific (Englische Homepage)